Natur & Umwelt.
Warum fühlen sich Amphibien am Lai Barnagn so wohl
Interview.
mit Amphibien-Spezialisitin Renata Fulcri
Amphibien-Spezialistin und Vertreterin Amphibien von bigra (Bündner Interessensgemeinschaft für Reptilien- und Amphibienschutz) www.bigra.ch
Warum findet man rund um und im Lai Barnagn so viele Amphibien?
Der Lai Barnagn ist für die Amphibien ganz besonders. Im Lai hat es nämlich keine Fressfeinde, im Fachjargon Prädatoren. Das Wasser wird für den Parkplatz im Winter abgelassen und erst im Frühjahr, per Zufall genau zum Start der Amphibienwanderzeit, aufgefüllt. So ist das Wasserregime für die Amphibienfortpflanzung ideal. Die Zahlen - ja, wir haben die Amphibien in der Nacht am Teich gezählt - sind eindrücklich: Es hat sehr viele Erdkröten, Grasfrösche und auch Bergmolche als ausgewachsene Tiere oder Larven (=Kaulquappen) im Wasser oder als Jungfrösche auch im Gras um den Lai herum.
Konkret, wen können wir antreffen?
Die Zahlen sind eindrücklich: Es hat sehr viele Erdkröten, Grasfrösche und auch Bergmolche als ausgewachsene Tiere oder Larven (=Kaulquappen) im Wasser oder als Jungfrösche auch im Gras um den See herum.
Was brauchen sie, damit es ihnen gut geht?
Im Frühjahr brauchen sie für die Fortpflanzung ein Laichgewässer wie der Lai Barnagn und genügend Würmer, Insekten oder Schnecken zum Fressen. Den Rest des Jahres verbringen die Amphibien an Land, versteckt unter Asthaufen, Wald, unter Topfpflanzen oder auch in wilden Ecken im Garten. Die Larven, also Kaulquappen, brauchen Wasser, denn sie atmen mit Kiemen – genauso wie Fische. Larven müssen immer im Wasser bleiben, damit sie nicht ersticken.
Welche Schutzmassnahmen werden seitens Kanton/Bund gemacht?
Bund, Kanton und auch Gemeinde, Vereinen und Private engagieren sich im Amphibienschutz sowohl bei der Pflege der Amphibienlaichgebiete wie Teiche und deren unmittelbaren Umgebung aber auch beim Sichern von Strassenabschnitten, wo Amphibien überfahren werden. Ausserdem wird Öffentlichkeitsarbeit wie das Netzwerk der bigra (=Bündner Interessensgemeinschaft für den Reptilien -und Amphibienschutz) gefördert oder Sensibilisierungskampagne wie diese an Bündner Badeseen finanziell unterstützt.
Steckbriefe.
Grasfrosch
- Färbung bräunlich, teils mit schwarzen Punkten
- Bis 11cm gross, wobei die Weibchen grösser als die Männchen sein können
- Im Frühjahr haben die Männchen eine weisse Kehle
- Ihr Ruf ist typisch und klingt nach einem «rrrrr»
- Sie sind nach 3-4 Jahren geschlechtsreif
- Die Entwicklung vom Ei zum Jungfrosch dauert etwa 9-10 Wochen und ist abhängig von der Wassertemperatur
- Der höchstgelegene Laichplatz des Grasfrosches im Alpenraum liegt im Engadin
Erdkröte
- Färbung bräunlich und der Körperbau ist «plump» mit einer warzigen Haut
- Pupille waagrecht
- Bis 13 cm gross, die Weibchen sind deutlich grösser als die Männchen
- Der Ruf der Erdkrötenmännchen ist arttypisch
- In hohen Lagen nach 4-5 Jahren geschlechtsreif
- Erdkrötenkaulquappen und ausgewachsene Tiere können bei Gefahr Giftstoffe abgeben (nicht gefährlich für den Menschen, aber gegenüber Fressfeinden)
- Die Eier/ Laich der Erdkröte wird als «Perlenkette in einem Rohr» abgelegt
- Nach der Metamorphose von der Kaulquappe zur Jungkröte sind die Tiere gerade einmal 1cm gross
- Die Erdkröte kommt nicht flächendeckend im Kanton Graubünden vor, es gibt Verbreitungslücken
Bergmolch
- Der Bergmolch hat einen orangen Bauch. Der Rücken ist bläulich, wobei die Männchen zusätzlich einen gelb-weiss-gestreiften Kamm aufweisen.
- Die Männchen sind mit 7 cm deutlich kleiner als die Weibchen (bis 11 cm)
- Die Larven der Bergmolche haben auf der Kopfseite sichtbare Kiemen
- Der Bergmolch ist nicht zu verwechseln mit dem Alpensalamander. Der Alpensalamander ist rundum schwarz mit Kulleraugen und kann an regnerischen Tagen im Sommer auf Wanderwegen und Forststrassen angetroffen werden.